Vertriebsprozess aufbauen: Erst die Struktur, dann das Tempo.
Einen Vertriebsprozess aufzubauen heißt, den Weg vom ersten Kontakt bis zum unterschriebenen Auftrag in fünf bis sechs Stufen mit prüfbaren Kriterien festzulegen, ihn im CRM abzubilden und ihn in einem wöchentlichen Format zu führen. Im Mittelstand mit 20 bis 250 Mitarbeitern dauert das bei vorhandenem CRM 30 Tage bis zur ersten lauffähigen Fassung und etwa 90 Tage, bis das Team den Prozess ohne Erinnerung lebt. Die Kosten liegen je nach Tiefe zwischen 1.800 Euro für Analyse und Blueprint und 18.000 Euro für den kompletten Systemaufbau. Dieser Beitrag beschreibt die sieben Schritte, die Fehler, die wir am häufigsten sehen, und woran Sie erkennen, dass der Prozess steht.
Was ist ein Vertriebsprozess und was ist er nicht?
Ein Vertriebsprozess ist die verbindliche Abfolge von Stufen, die jeder Deal durchläuft, mit einem Kriterium pro Stufe, das sich von außen prüfen lässt. Er beantwortet drei Fragen: Wo steht dieser Deal gerade? Was muss passieren, damit er eine Stufe weiterkommt? Wer ist dafür verantwortlich? Mehr muss er am Anfang nicht leisten.
Kein Vertriebsprozess ist dagegen eine Sammlung von Gesprächsleitfäden, eine Preisliste oder ein Organigramm. Diese Dinge sind nützlich, aber sie sagen nichts darüber aus, wie aus einer Anfrage ein Auftrag wird. Viele mittelständische Unternehmen haben alle drei und trotzdem keinen Prozess. Das erkennen Sie daran, dass die Antwort auf die Frage nach dem Stand eines Deals mit „ich glaube“ beginnt.
Schritt 1: Zielkunden und Auslöser festlegen
Bevor Sie Stufen definieren, legen Sie fest, für wen der Prozess gilt. Welche Unternehmensgröße, welche Branche, welche Situation beim Kunden führt dazu, dass er überhaupt kauft? Im Maschinenbau ist das oft eine Erweiterung oder ein Ersatz, bei IT-Häusern ein Systemwechsel oder ein Audit, bei Industriedienstleistern ein auslaufender Vertrag. Diese Auslöser bestimmen, welche Signale der Vertrieb beobachten muss und welche Anfragen er gar nicht erst in die Pipeline nimmt.
Das Ergebnis dieses Schritts ist eine Seite: drei bis fünf Zielkundenprofile mit den typischen Auslösern und den Gründen, warum ein Kunde nicht passt. Diese Seite ist später das Eintrittskriterium für die erste Stufe.
Schritt 2: Stufen mit Austrittskriterien definieren
Fünf bis sechs Stufen reichen für fast jedes B2B-Geschäft: Neu, Qualifiziert, Angebot, Verhandlung, Gewonnen oder Verloren. Entscheidend ist nicht der Name der Stufe, sondern das Austrittskriterium. Qualifiziert bedeutet zum Beispiel: Budgetrahmen genannt, Entscheider im Gespräch gewesen, Zeitpunkt der Entscheidung bekannt. Angebot bedeutet: Dokument versendet und ein Folgetermin steht im Kalender. Wenn eines dieser Kriterien fehlt, bleibt der Deal in der vorherigen Stufe, auch wenn der Verkäufer ein gutes Gefühl hat.
Zwölf Stufen sind ein typischer Fehler. Sie wirken präzise, aber niemand pflegt sie, und die Übergänge werden beliebig. Wie Sie die Stufen im CRM abbilden, beschreibt unser Beitrag zur CRM-Einführung im Mittelstand.
Schritt 3: Rollen und Übergaben klären
Wer qualifiziert, wer erstellt das Angebot, wer verhandelt, wer übernimmt den Kunden nach dem Abschluss? In Unternehmen mit drei bis zehn Vertriebsmitarbeitern macht oft jeder alles, und genau dort entstehen die Lücken: Eine Anfrage liegt drei Tage ohne Antwort, weil zwei Personen dachten, der andere kümmert sich. Der Prozess legt für jede Stufe eine verantwortliche Rolle fest, nicht eine Person. Rollen bleiben, wenn Personen wechseln.
Die Übergabe zwischen Rollen braucht eine Regel: Was muss im CRM stehen, bevor der Innendienst ein Angebot schreibt? Was muss der Verkäufer dem Projektleiter übergeben, bevor die Umsetzung startet? Diese Regeln sind unspektakulär und entscheiden über den Alltag.
Schritt 4: Den Prozess im CRM abbilden
Erst jetzt kommt die Software. Die Stufen aus Schritt 2 werden zur Pipeline, die Austrittskriterien zu Pflichtfeldern, die Rollen zu Zuständigkeiten. Ob HubSpot, Pipedrive, Salesforce oder Dynamics ist zweitrangig, solange sich die Stufen so abbilden lassen, dass daraus später ein Forecast entsteht. Drei Automatisierungen lohnen sich sofort: Lead-Routing, damit jede Anfrage innerhalb von 24 Stunden einen Verantwortlichen hat, Follow-up-Erinnerungen nach drei, sieben und vierzehn Tagen und ein Wochen-Report an die Vertriebsleitung.
Wer die Reihenfolge umdreht und mit dem Tool beginnt, baut die Felder nach den Möglichkeiten der Software statt nach den Bedürfnissen des Geschäfts. Das ist der häufigste Grund, warum ein CRM nach einem Jahr als Adressbuch endet.
Schritt 5: Follow-up und Nachfassen regeln
Die meisten Angebote im Mittelstand scheitern nicht am Preis, sondern daran, dass niemand nachfasst. Der Prozess legt fest, wann und wie nachgefasst wird: nach drei Tagen eine kurze Rückfrage, ob das Angebot angekommen ist und Fragen offen sind, nach sieben Tagen ein Telefonat zum Stand, nach vierzehn Tagen eine Entscheidung, ob der Deal offen bleibt oder in Verloren wandert. Diese drei Stufen stehen im CRM als Aufgaben, nicht im Kopf des Verkäufers.
Wichtig ist der letzte Punkt: Ein Deal ohne Reaktion nach vierzehn Tagen wird geschlossen oder bewusst verschoben, mit neuem Datum und Grund. Pipelines, in denen Angebote aus dem Vorjahr offen stehen, sind das sicherste Zeichen für einen fehlenden Prozess.
Schritt 6: Das Wochen-Review einführen
Ein Prozess, der nicht gebraucht wird, wird nicht gepflegt. Das Wochen-Review ist der Ort, an dem er gebraucht wird: 30 Minuten, nur CRM-Daten, nur Deals, deren Abschlussdatum in den nächsten 30 Tagen liegt oder überfällig ist. Die Vertriebsleitung fragt pro Deal, ob die Austrittskriterien der aktuellen Stufe wirklich erfüllt sind. Mehr Tagesordnung braucht es nicht.
Dieses Format ersetzt die meisten Monatsberichte und ist gleichzeitig die Grundlage für einen belastbaren Forecast. Wie Sie aus dem Review eine Forecast-Genauigkeit über 80 Prozent entwickeln, steht im Beitrag zur Forecast-Genauigkeit im Vertrieb. Welche Kennzahlen im Review auf den Tisch gehören, beschreibt der Beitrag zur Vertriebssteuerung im Mittelstand.
Schritt 7: Messen und nachschärfen
Nach 90 Tagen prüfen Sie drei Zahlen: Wie viele Deals haben die Stufe Qualifiziert erreicht und wie viele davon ein Angebot? Wie lange bleibt ein Deal im Durchschnitt in jeder Stufe? Wie viele Angebote wurden innerhalb der Frist nachgefasst? Diese Zahlen zeigen, wo der Prozess hakt. Eine Stufe, in der Deals sehr lange liegen, hat meist ein unklares Austrittskriterium. Eine niedrige Quote von Qualifiziert zu Angebot deutet auf ein zu weiches Eintrittskriterium hin.
Nachschärfen heißt dann: Kriterium präzisieren, nicht Stufe hinzufügen. Der Prozess soll mit der Zeit einfacher werden, nicht komplexer.
Die fünf häufigsten Fehler beim Aufbau
Erstens: Mit dem Tool beginnen statt mit den Stufen. Zweitens: Stufen ohne prüfbare Kriterien, sodass jeder Verkäufer seine eigene Definition von Angebot hat. Drittens: Den Prozess einführen, aber kein wöchentliches Format schaffen, in dem er gebraucht wird. Viertens: Die Geschäftsführung fragt weiterhin per Zuruf oder Excel nach dem Stand, womit das CRM seine Bedeutung verliert. Fünftens: Zu viel auf einmal, etwa zwölf Stufen, zwanzig Pflichtfelder und acht Automatisierungen in der ersten Woche.
Alle fünf Fehler haben eine gemeinsame Ursache: Der Vertriebsprozess wird als Dokumentation behandelt statt als Führungsinstrument. Wenn die Vertriebsleitung ihre Entscheidungen nur noch auf Basis des Prozesses trifft, pflegt ihn das Team von allein.
Wie lange dauert es und was kostet es?
Bei vorhandenem CRM und einem klaren Blueprint sind Stufen, Rollen und Pipeline nach 30 Tagen live. Nach 90 Tagen ist das Wochen-Review Routine und die ersten Zahlen aus Schritt 7 liegen vor. Belastbare Forecasts brauchen zwei bis drei Quartale, weil die Deals erst einige Zyklen durch die Stufen laufen müssen.
Die Kosten hängen davon ab, wie viel Sie selbst machen. Eine Analyse mit Architektur-Blueprint, also Zielkunden, Stufen, Rollen und Steuerungsformat auf dem Papier, liegt zwischen 1.800 und 5.000 Euro. Der Aufbau von Prozess und CRM inklusive Automatisierungen, Playbooks und Enablement des Teams liegt je nach Größe und Systemlandschaft zwischen 4.800 und 18.000 Euro. Laufende Begleitung mit wöchentlichem Steuerungsformat beginnt bei etwa 1.750 Euro pro Monat. Was in den Paketen enthalten ist, finden Sie auf der Startseite unter Pakete, eine Einordnung der Kosten im Beitrag zur Vertriebsberatung für den Mittelstand.
Häufige Fragen
Brauchen wir einen Vertriebsprozess, wenn wir nur drei Verkäufer haben?
Sollten wir den Vertriebsprozess zuerst auf Papier oder direkt im CRM aufbauen?
Wie viele Stufen sollte ein Vertriebsprozess haben?
Was passiert mit Deals, die nicht ins Schema passen?
Wer sollte den Vertriebsprozess verantworten?
Wo steht Ihre Umsatzarchitektur?
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